Die alte Weisheit Bismarcks, dass nie soviel gelogen wird wie nach einer Jagd und vor einer Wahl gilt nicht mehr seit Golfschläger verkauft und beworben werden. Es scheint, als hätten sich die Golf-Redaktionen konspirativ entschlossen, ihren Werbekunden mit Golfschläger-Tests keinen Ärger zu bereiten; anders lässt es sich nicht erklären, dass noch kein Magazin den Verrat aufgedeckt hat an Millionen Kunden, denen beim Kauf ihrer Golfschläger Fertigungstoleranzen zugemutet werden, die selbst bei Trabant und Wartburg als Skandal gegolten hätten.
Und gerade hier ist es traurig, dass sich die Golf-Journale zum Sprachrohr ihrer Anzeigen-Kunden degradiert haben, geht es doch um den Erfolg ihrer Leser beim Golfspielen. Drei Dinge sind bei einem Golfschläger-Satz wichtig:
Die Golfschläger-Industrie spricht in ihrer Werbung — wenn überhaupt — nur vom dritten Punkt; meist bekommt man lediglich Legierungen und Kopfkonstruktionen angepriesen, die mehr Länge und ein weiches Gefühl versprechen. Während die Suche nach der ultimativen Legierung beim Golfschläger-Material den Kunden »nur« Geld kostet, ist die Suche nach dem längsten Eisen 7 sogar schädlich: Die Schäfte der Golfschläger werden jährlich länger und die Lofts geringer — anders kann man mehr Länge nicht erzielen. Dadurch kauft der Golfer einen Golfschläger-Satz von Eisen 1-9, auf dem die Symbole 3-SW eingeprägt wurden. Die längsten Eisen bleiben ungenutzt und sobald der Betrug durchschaut wird, müssen Gap- und Loft-Wedges dazugekauft werden. Wahrscheinlich werden wir in ein paar Jahren mit den Eisen 8 und 9 sowie sieben Wedges losziehen.
Noch schädlicher als bei jedem anderen Golfschläger wirkt sich ein Driver mit zu wenig Loft auf die Schwungtechnik aus. Wer beispielsweise einen Driver mit 10° Loft spielt und nicht die nötige Kopfgeschwindigkeit des Golfschlägers erreicht, wird den Ball nicht hoch genug schlagen. Nach einigen zu flachen Bällen wird der Golfer versuchen, den Loft zu erhöhen und das endet in neun von zehn Fällen in einer zu offenen Schlagfläche. Jetzt slict der Ball, und bald schwingt der Spieler von außen nach innen, um den Golfball nach links starten zu lassen.
Fitting — oder welcher Golfschläger passt zu wem?
Nachdem sich im letzten Dorfklub herumgesprochen hat, dass Standard-Golfschläger nicht zu jedem passen, haben die Marketingabteilungen der Golfschläger-Hersteller den Begriff »Fitting« in ihre Prospekte und Vertreter-Handbücher aufgenommen. Nun wird dem Proshop-Besitzer ein Vehikel angedreht, das 50 Golfschläger enthält (meist 5er-Eisen), in der Hoffnung, jeder fände darin, was er brauchte. Ein wenig Mathematik zeigt, warum wir es hier mit Hybris oder erneuter Irreführung zu tun haben:
Um die Bedürfnisse der meisten Spieler abzudecken, braucht man bei den Eisen für Damen und Herren:
Was schätzen Sie: Reichen da fünfzig Golfschläger? Nicht ganz. Fünfzig Golfschläger decken nicht mal ein Prozent des Bedarfs. Selbst wenn wir die absurden Kombinationen (steifer Schaft ½ Inch kürzer, 3 Grad aufrecht etc.) tilgen, bleiben immer noch zigtausend Kombinationen, wie der ideale Golfschläger zusammengesetzt sein könnte. Wer also ein seriöses Golfschläger-Fitting anbieten will, der muss die Möglichkeit haben, Schäfte mit Köpfen in Sekunden zu verschrauben oder mit Bajonett-Verschluss zu verbinden. So entstehen aus 100 Köpfen und 100 Schäften mehrere tausend sinnvolle Golfschläger-Kombinationen.
Matching — oder welche Schläger passen zueinander?
Was würden Sie sagen, wenn man Ihnen einen Golfschläger-Satz verkaufte, in dem Eisen 8 und 6 fehlten und sie dafür drei Eisen 7 erhielten? Das wäre ziemlich frech, aber sie würden es reklamieren. Was jedoch, wenn auf dem einen Eisen 7 eine 8 stünde und auf dem anderen eine 6? Sie fühlten sich betrogen. Aber das ist der Normalfall. Sie werden fragen: Was veranlasst mich zu dieser ketzerischen These?
Zwischen 1993 und 2002 bin ich jährlich mit einer Gruppe von zehn Pros zur Weiterbildung nach Dallas geflogen. Auf der Hank-Haney-Ranch werden Golfer nicht nur sachkundig unterrichtet, sondern auch deren Golfschläger angepasst. Es gibt dort eine Werkstatt mit Lie-/Loft-Maschine, Schaft-Frequenzmessgerät, Deflection-Board usw. Hier werden alle Golfschläger der Pros überprüft und das Ergebnis ist seit zehn Jahren unverändert: acht von zehn Pros haben Schrott in ihrer Tasche. Die Lies und Lofts der Golfschläger weichen um bis zu vier Grad vom angegebenen Wert ab und die Schäfte der Golfschläger haben nie den angegebenen Wert — vor allem nicht, wenn sie aus Graphit sind. Zwischen superweich und extra-steif findet sich fast jeder Flexgrad in einem Golfschläger-Satz. Man findet nie einen Satz, dessen Golfschläger alle die gleiche Flexibilität besitzen. Das Entsetzen der Golfschläger-Besitzer ist immer groß, hat der Vertreter der Firma doch noch beteuert, dass dieser Golfschläger-Satz eigens in der Tour-Abteilung im Ausland zusammengestellt wurde und deshalb noch höheren Qualitätsansprüchen genügt als die ohnehin schon präzisen Standard-Golfschläger. An der jahrelangen Benutzung der Golfschläger kann es auch nicht liegen, denn im Februar/März kommen die meisten mit brandneuem Besteck. Der obligatorische Besuch in der Fabrik von Adams einige Tage später liefert die Erklärung: Es ist erheblich aufwendiger und teurer, Golfschläger mit geringen Fertigungstoleranzen zu bauen; und weil
hat sich seit Jahren in der Golfschläger-Branche nichts geändert und wird es in Zukunft auch nicht.
Wer also einfach Schläger kauft — sei es im Großmarkt oder im Proshop —, der spielt Lotto. Und 13 Richtige sind extrem selten, zumal man nicht 13 aus 49 spielt, sondern 13 aus 5000.
MOI-Matching
Wer wirklich gute Golfschläger haben will, der sollte sich mit dem Thema MOI-Matching beschäftigen. Das, was die Golfschläger-Industrie uns zu dem Thema Schwunggewicht verkauft, ist nichts als eine Drehmoment-Abstimmung und das hat wenig Wert, denn es handelt sich nur um einen Marketing-Gag. Wenn die Golfschläger sich beim Schwung alle gleich anfühlen sollen, muss das Trägheitsmoment (Englisch: Moment of Inertia, kurz MOI) bei jedem Schläger gleich sein. Das ist nur sehr aufwendig herzustellen und wird uns von den großen Golfschläger-Firmen wahrscheinlich nie angeboten werden, weil die Gewinn-Margen dabei zu gering sind. In Deutschland gibt es jedoch nur wenige Golfschläger-Fitter — man müsste sie eigentlich Golfschläger-Matcher nennen — die das bieten.
Ich habe vor kurzem dem Tourspieler Tobias Dier meine Golfschläger von Ping zum Testen gegeben — diese Golfschläger wurden speziell für mich mit gleichem MOI angefertigt (siehe Artikel: Zwei Tage bei Ping) — und er war restlos begeistert und hat sich auch gleich einen MOI-gematchten Golfschläger-Satz bestellt.
Ich selbst habe einen Blind-Test gemacht, bei dem ich mit geschlossenen Augen auf einem Podest Probeschwünge gemacht habe. Einmal hat man mir verschiedene Golfschläger aus einem konventionellen Golfschläger-Satz gegeben und einmal aus einem Golfschläger-Satz, bei dem der MOI überall gleich war. Aus dem ersten Satz konnte ich zuverlässig lange, mittlere und kurze Eisen herauspicken, beim zweiten Satz betrug meine Trefferquote 30 Prozent glich also einem Raten.
Und nun?
Meine Empfehlung: Machen Sie ein Golfschläger-Fitting am besten bei Mike McFadden im Golfclub Jakobsberg, der die Schläger nicht nur zueinander abstimmt (MOI-Matching), sondern auch speziell an Sie anpasst. Mike ist nicht nur ein erfahrener Fitter, sondern auch ein guter Golflehrer. Passt man nämlich die Golfschläger an einen fehlerhaften Schwung an, werden diese unbrauchbar, sobald der Schwung besser wird. Dieses Dilemma kann nur ein Golflehrer lösen, der Ihren Schwung durchschaut.
Wenn Sie bei Mike McFadden meinen Namen nennen, bekommen Sie zu Ihrem Schlägersatz noch einen Bonus und eine besonders ausführliche Beratung: truecustomfitting.com Mailadresse: MikeMcFadden [ät] TrueCustomFitting.com
Eine Frage, die häufig gestellt wird, lautet: Soll ich mich als Anfänger auch schon fitten lassen? Anfängern, deren finanzielle Ressourcen nicht unbegrenzt sind, habe ich bis jetzt immer günstige Einsteiger-Sets von Billiganbietern empfohlen. Es gibt jedoch eine bessere Alternative: Kaufen Sie sich nicht 12 Billig-Schläger, sondern lieber nur einen Sandwedge, ein Eisen 9 und 7 sowie ein Hybrid, die zu Ihnen passen. Beim individuellen Fitting ist das problemlos möglich, und im Gegensatz zu den Sätzen der großen Hersteller, die ihre Modelle oft mehrmals im Jahr wechseln, können Sie die Schläger der Fitter jahrelang nachkaufen und so Ihren Satz später Stück für Stück ergänzen.

Zum Schluß noch ein Link zu einem Golfschläger-Tests von Frank Thomas: Begehen Sie nicht den Fehler und kaufen Sie sich als Spieler mit mittlerer oder hoher Vorgabe klassische Blades. So schön diese auch aussehen, sie machen das Spiel erheblich schwieriger.
Über 40 Prozent aller Schläge machen Sie übrigens mit dem Putter. An diesem Schläger sollten Sie deshalb nicht sparen. Inzwischen gibt es den Nachfolger des legendären Spicy1, dem Putter, der steht: Spicy-Putter
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