Golfunterricht & Ihre Traumata

Das folgende Golfvideo zeigt in Anlehnung an Loriot etwas überspitzt, wie Golfunterricht aussieht, wenn der Lehrer esoterischen Placebo-Unterricht gibt.

Rainer Mund und ich sind beide große Loriot-Fans. Balduin Mund, der zukünftige Hollywood-Regisseur, hat mein Drehbuch mit uns umgesetzt

Was hält Sie vom Golfunterricht ab?

Golfunterricht, Golflehrer, Golfschule — diese Begriffe haben für viele Menschen eine negative Konnotation. Die aufzulösen, kann in manchen Fällen zu einem therapeutischen Großprojekt werden, aber vielleicht können Ihnen die folgenden Zeilen den Weg ebnen:

Es gibt Golfer, die wissen genau, dass sie eigentlich Unterricht brauchen, aber sie nehmen keinen mehr, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Es gibt aber auch Golfer, die haben nach der Platzreife gar keinen Unterricht mehr genommen, und das kann tiefer liegende Gründe haben — zum Beispiel traumatische Erfahrungen in der Kindheit. Klingt komisch, aber warten Sie ab: Ich kann alles erklären. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich spielte die ganze Oberstufe hindurch praktisch nur Golf und hatte deshalb permanent Sorge, mein Abitur nicht zu schaffen. Lernen und Schule waren so immer mit Angst und Unwohlsein verknüpft. Erst etwa fünf Jahre nach dem Abitur habe ich freiwillig das erste Buch gelesen, von Golfbüchern einmal abgesehen.

In der Schule gibt es leider eine unheilvolle Verknüpfung zwischen demjenigen, der einem etwas beibringt, und demjenigen, der einen bewertet. Das ist nämlich in beiden Fällen der Lehrer. Also liegt die Priorität bei vielen Schülern darauf, nicht etwa maximal vom Lehrer zu profitieren, sondern ihn zu beeindrucken, damit die Benotung besser ausfällt. In der Schule ist der Lehrer überdies immer auch eine Autoritätsperson. Und ich meine hierbei keine natürliche Autorität durch seine größeres Wissen oder seine größere Weisheit, sondern seine Amts-Autorität. Er hat eben die Macht.

Golfunterricht

Beim Golfunterricht merke ich immer wieder, dass manche Schüler intuitiv versuchen, mich zu beeindrucken. Darum geht es aber nicht, denn wenn einer im Golfunterricht einen anderen beeindrucken sollte, dann der Lehrer den Schüler.

Prägend ist auch die Tatsache, dass der Schulbesuch in Deutschland nicht freiwillig ist und man als Schüler nur sehr begrenzten Einfluss darauf hat, welche Themen im Unterricht behandelt werden. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie furchtbar es wäre, wenn ich als Golflehrer täglich 30 Schüler gemeinsam unterrichten müsste und keiner von denen freiwillig auf meiner Range stünde. Da ist es kein Wunder, dass es kaum einen Beruf gibt, bei dem der frühe Burnout so verbreitet ist wie bei Schullehrern. Es liegt auf der Hand, dass so ein ausgebrannter Lehrer es schwer hat, die Leidenschaft am Lernen bei seinen Schülern zu erhalten. Die eigentlich naturgegebene Neugier und der Spaß am Lernen wird also bei den Schülern über 9-14 Jahre hinweg systematisch unterminiert.

Und als wäre all das nicht schon genug, gibt es neben den Lehrern in der Schule noch zwei weitere Personen mit denen das Lernen über viele Jahre hinweg wahrscheinlich nicht ganz unproblematisch war, um es vorsichtig auszudrücken. Das waren die Eltern. Hier gab es neben dem Lehrer-Schüler-Verhältnis auch immer eine versteckte — oder manchmal auch nicht so versteckte — Agenda, nämlich die des Erziehers. Kein Kind wird jedoch gerne erzogen. Erziehung heißt ja immer, da hat einer Macht über mich und darf bestimmen, was ich zu tun und zu lassen habe. Wer würde das schon genießen?

Und das Traurige ist, dass Lernen eines der schönsten Dinge ist. Sicher: Es vermittelt auch große Freude, selbst hinter etwas zu kommen, aber mit einem guten Lehrer lernt man viel schneller; ganz im Sinne des uralten Gleichnisses, dass wir alle nur Zwerge sind, die auf den Schultern von Riesen sitzen und deshalb weiter sehen. Wer nicht auf die Schultern von anderen klettert, der muss ganz schön hoch springen können, wenn er auch etwas sehen will.

Was heisst das jetzt alles für Ihr Golfspiel?

Wenn Sie sich in den Gedanken bisher wiederfinden, dann kommen Sie jetzt vielleicht tiefer bei der Frage, woher Ihre unerklärliche Zurückhaltung herkommt, gegenüber Unterricht. Zunächst einmal müssen Sie sich davon lösen, dass Sie den Golflehrer beeindrucken müssen. Das ist eine Verknüpfung aus der Schulzeit, die beim Golfunterricht nicht passt. Der Golflehrer versteht sich als Dienstleister. Wenn es während der Stunde nicht klappt, dann wird er eher an sich zweifeln als an Ihnen. Wenn einer einen Grund hat, nervös zu sein, dann ist das der Golflehrer. Sie zahlen ihm schließlich Geld dafür, dass Sie nachher besser treffen.

Vielleicht geht Ihre Angst aber sogar noch etwas tiefer? Vielleicht geht es Ihnen nicht nur mit Lehrern so, dass Sie Angst haben, dem anderen nicht zu gefallen, wenn Sie keine »Leistung bringen«? In einem gewissen Maße wollen wir natürlich alle gut aussehen, um den anderen zu gefallen. Und ja, mit tollen Schlägen kann man manche Leute beeindrucken. Wirklich reife Leute beeindruckt man aber eher mit eigener Reife, und die zeigt sich zum Beispiel in der Fähigkeit, ohne Scham Fehler zu machen, sich mal ungeschickt anzustellen und trotzdem mit Offenheit weiter zu lernen und auch dann nicht zu jammern oder aufzugeben, wenn es beim Lernen mal stockt.

Die Rolle des Schülers im Golfunterricht ist für viele zudem nicht einfach, weil sie inzwischen so ungewohnt geworden ist. Als Erwachsener kann man solchen Situationen ja ganz gut ausweichen und für manche ist der Golfunterricht tatsächlich seit Jahren oder gar Jahrzehnten das erste Mal, dass sie wieder in die Schülerrolle schlüpfen. Also nutzen Sie die Chance, als Mensch zu reifen und überwinden Sie sich zum Golfunterricht. Die Erfahrungen, die Sie dabei sammeln können, sind eigentlich noch viel wertvoller als die Höhe, um die sich Ihre Vorgabe noch reduzieren lässt.

Wenn Sie noch mehr von Loriot sehen wollen und weitere tiefenpsychologische Weisheiten eines einfachen Golflehrers aus Düsseldorf ertragen können, empfehle ich Ihnen diesen Film.

Das war’s. Was nun?

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