Golfakademie –10 Checkpunkte

Golfakademie — das klingt hochtrabend, irgendwie gebildet, nach Gelehrten, Akademikern und dergleichen. Letztlich ist eine Golfakademie aber nur ein Ort, an dem ein paar Golflehrer und Golflehrer-Lehrlinge zusammen arbeiten. Wobei das »zusammen« nicht selten ein »gegeneinander« ist, wie die meisten meiner Kollegen sicher bestätigen würden.

Sie als Golfer stehen vor der schwierigen Aufgabe, die Qualität von Pros mit unvollständigen Informationen beurteilen zu müssen. Einen großen, nationalen Golflehrer-Test gab es leider noch nie. Ich hatte das mal geplant, aber mangels Sponsoren kam es nicht zur Umsetzung. Ihre Suche nach einem guten Lehrer ist vergleichbar mit der Suche nach einem kompetenten Zahnarzt oder Kardiologen. Man kann andere Golfer fragen, aber das bringt Sie meist nicht viel weiter. Haben Sie schon mal einen Bekannten nach einem Zahnarzt gefragt? Welchen hat er Ihnen empfohlen? Den, zu dem er selbst geht, oder? Sie bekommen fast nie die Antwort: »Ich weiß keinen und der, zu dem ich gehe, ist nicht gut.« Wenn Sie aber keine negativen Antworten bekommen, sind die positiven nichts wert.

Vor 10 Jahren hatte ich versucht, eine Studie auf die Beine zu stellen, die klären sollte, welche Art des Golfunterrichts, erfolgreich ist. Diverse Golfakademien bekundeten Interesse. Mangels Sponsoren kam es leider nie dazu. Interview.pdf

Golfakademie

Eines ist sicher: Es gibt bei Golflehrern genau wie bei Ärzten und allen anderen Berufen eine Gaussche Normalverteilung, d.h. wenige Grottenschlechte, viel Mittelmaß und wenige Könner. Beim Kinokartenverkäufer ist es egal, wenn er mittelmäßig ist; ins Kino kommen Sie trotzdem und am Film ändert es nichts. Eine mittelmäßige Politesse ist sogar ein Vorteil, wenn sie übersieht, dass Ihre Parkscheibe abgelaufen ist. Selbst der Schaden eines üblen Kellners hält sich in Grenzen. Beim Kardiologen würde ich mich allerdings schon bemühen, einen zu finden, der weiß, was er tut — vor allem, wenn die Diagnose nicht trivial ist.

Und damit komme ich wieder zum Golf: Da sind die Diagnosen fast nie trivial. Dass der Schwung nicht einfach zu erlernen ist, haben Sie schon herausgefunden. Lassen Sie mich Ihnen eines verraten: Das Unterrichten ist noch viel schwieriger. Und ich schreibe das nicht, um mich als Golflehrer wichtig zu machen. Wäre der Job so wie der eines Fahrlehrers, hätte ich mir längst einen anderen Broterwerb gesucht. In den ersten zehn Jahren stiftet man als Golftrainer eigentlich mehr Verwirrung als Klarheit. So erschreckend das klingt: Die Schüler gleichen am Anfang der Karriere Versuchskaninchen. Sicher, hin und wieder landet man auch Treffer, aber wer als Lehrer wahrhaftig auf die eigene Anfangszeit zurückblickt, muss zugeben, dass Einsteins bekannter Satz über seine Zunft auch auf die eigene zutrifft. Er schrieb sinngemäß zu den Atomphysikern: »Wir gleichen einer Gruppe sturzbetrunkener, schlechter Schützen, die in einem Gebiet, in dem es wenig Gänse gibt, mitten in der Nacht mit krummen Läufen nach Gänsen schießen.«

Jetzt denken Sie vielleicht, dass ich in meiner Egozentrik unzulässigerweise von mir auf andere schließe, aber ich habe in meiner Golfakademie (die es seit 2017 nicht mehr gibt) 60 eigene Lehrlinge ausgebildet und war lange als Ausbilder für die PGA tätig. Ich kann Ihnen also versichern: Golf zu unterrichten, ist schwierig.

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Golfakademie

Leider reicht Erfahrung alleine nicht aus. Mancher restauriert in seinem Job nur täglich sein inneres Museum. Gefordert ist vor allem die Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen. Und wer hat die schon? Sich einzugestehen, dass eine vor Jahren eingeschlagene Strategie falsch war, ist schmerzhaft. Nach 20 Berufsjahren musste ich beispielsweise erkennen, dass meine Art, Löffler zu diagnostizieren und zu therapieren, von blinden Flecken übersät war. Und das musste ich mir auch noch von einem Amateur-Golfspieler mit HCP 15 sagen lassen. Aber seine Analyse dieses Phänomens war meiner einfach überlegen. Heute, nachdem ich sein System weiter verbessert habe, ist das leicht zu sagen, aber damals habe ich arg gelitten. Ich kann also gut verstehen, dass sich das Gehirn in solchen Situationen zu konservativ verhält und an Bestehendem festhält, auch wenn das weniger Erfolg bringt.

Was bedeutet das aber jetzt für Ihre Suche? Sie müssen schließlich entscheiden, wo die Lehrer, der von Ihnen bevorzugten Golfakademie, in der Glockenkurve liegen. Ich kann Ihnen zwar einige Hinweise geben, aber das sind eben nur Hinweise.

  1. Wenn der Lehrer Ihre Schläge ohne Video und Zeitlupe analysiert, ist das kein gutes Zeichen. Speziell die Bewegung des Schlägers im Abschwung läuft für das menschliche Auge viel zu schnell ab. Und gerade den Treffmoment muss man sich in Ruhe auf einem Einzelbild anschauen können.
  2. Überschüttet der Lehrer Sie mit Informationen, oder erzählt er allen Schülern das Gleiche, ist auch das auch kein Hinweis auf überragenden Golfunterricht.
  3. Wenn der Golf-Lehrer Abweichungen von seinem Idealbild stur nach der Reihenfolge ihres Auftretens, also Griff, Stand, Haltung, Rückschwung, Abschwung, Durchschwung korrigiert, ist das ein Hinweis für eine Didaktik aus dem letzten Jahrtausend. Beim Golfeinstieg vor der Platzreife mag dieses Vorgehen noch zu rechtfertigen sein, aber sobald die Golfbälle regelmäßig fliegen, ist der Ballflug der Indikator, der die Korrekturreihenfolge bestimmt.
  4. Kann der Lehrer Ihr Problem nicht in 2 Minuten zusammenfassen, ist das auch verdächtig. Sie sollten diese Zusammenfassung verstehen und wiederholen können.
  5. Ob der Golfpro Spitzenspieler wie Kaymer, Langer oder Tiger Woods trainiert, ist leider kein so sicheres Zeichen wie man glaubt. Man muss den Trainern von Spitzenspielern aber zugute halten, dass sie diese zumindest nicht davon abgehalten haben, auf der European Tour zu überleben. Und das ist nicht selbstverständlich. Die Tour-Welt ist voll mit Beispielen, bei denen die Karriere nach der Schwungumstellung beendet war. Das tragischste Beispiel ist vielleicht der British Open Sieger Ian Baker Finch. In diesem Video beschreibe ich eine Golflehrer-Konferenz, in der 1000 Kollegen miterlebt haben, wie der langjährige Lehrer eines anderen Open-Siegers unter Beweis stellte, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat.

 

Was sind denn gute Zeichen?

  1. Wenn Sie das machen, was der Lehrer sagt, sollte der Ball so fliegen, dass Sie Spaß haben.
  2. Die meisten Golfer, die einen guten Pro haben, wissen das auch. Treffen Sie nach den Stunden immer besser als vorher, kann Ihr Golf-Professional nicht so schlecht sein.
  3. Und wenn sich stetig ihr Handicap verbessert, ist das natürlich auch super, vor allem, wenn das Training kein Placebo-Training ist, der Lehrer also tatsächliche Änderungen vornimmt und Sie diese auch umsetzen.
  4. Nutzt ihr Golfpro zur Schwunganalyse auf der Range Hilfsmittel wie Trackman, Foresight, Flight Scope, Scope-System oder zur Analyse Ihres Puttens ein Puttlab, ist sichergestellt, dass er Neuem gegenüber aufgeschlossen und wirklich an Ihrer Handicap-Verbesserung interessiert ist.
  5. Wenn Ihr Lehrer auch Golfschläger-Fitting anbietet, kann er nicht nur Ihre Golf-Ausrüstung fachmännisch überprüfen, sondern ist er sicher an der Verbesserung Ihres Spiels interessiert, denn Fitting ist mühsam und bringt nicht viel Geld ein. Die Gefahr bei zu viel Spielzeug ist jedoch, dass die ganzen Geräte nicht Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck sind. Das wäre dann kein gutes Zeichen.

Der wichtigste Ratschlag, den ich Ihnen geben kann, ist aber folgender: Sammeln Sie Erfahrungen. Wenn Sie in Ihrem Golferleben erst einen Lehrer erlebt haben, dann fehlt Ihnen der Vergleich, und mit jedem weiteren Lehrer, wird sich ihre Glockenkurve konkreter ausbilden und auch die Wahrscheinlichkeit ansteigen, auf einen zu treffen, den man nicht so häufig findet und der den meisten seiner Schüler schnell helfen kann.

Aber auch wenn Sie nicht so schnell fündig werden — es gibt einen Vorteil bei der Suche nach einer guten Golf-Akademie: Der Schaden im Falle eines Fehltrittes im Golfsport ist nicht annähernd so hoch wie bei einer medizinischen Fehldiagnose.

Das war’s zur Golfakademie. Was nun?

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